Erinnerst du dich noch an die Zeit, als das lauteste Klicken in einem Meetingraum von winzigen schwarzen Tasten kam? Dann weißt du, wovon wir reden. Das BlackBerry war nicht einfach ein Handy.
Es war ein Status, ein Werkzeug, eine Sucht. Millionen von Managern, Politikern und Bankern kamen ohne es schlicht nicht durch den Arbeitstag. Doch was genau ist ein BlackBerry eigentlich, woher kommt die Marke, und warum ist sie heute größtenteils Geschichte? Das erfährst du hier.
Inhaltsverzeichnis
Definition und Herkunft der Marke
BlackBerry (Aussprache [?blækb?ri], englisch für Brombeere) war der Markenname für Smartphones der kanadischen Firma BlackBerry Limited, vorher bekannt als Research in Motion, kurz RIM.
Das Unternehmen wurde 1984 im kanadischen Waterloo gegründet und begann zunächst mit der Entwicklung von Kassensystemen und Datenübertragungsgeräten. Der Name „BlackBerry“ leitet sich vom optischen Design der Tasten ab: Die kleinen, dicht nebeneinander sitzenden Knöpfe erinnerten an die Frucht der Brombeere.
Charakteristisch für BlackBerry-Smartphones war die physische Tastatur, die in fast allen Modellen Anwendung fand. Genau diese Tastatur sollte die Marke unsterblich machen, und ihr am Ende auch zum Verhängnis werden. Aber dazu kommen wir noch.
Mehr zur Geschichte des Unternehmens liefert ein ausführlicher Rückblick bei Techbook.de.
Die Entstehung: Vom Pager zum ersten Smartphone
Alles beginnt mit einem einfachen Pager. Mit dem Start des World Wide Web Anfang der 1990er-Jahre überlegten die RIM-Entwickler, ein Gerät herzustellen, mit dem sich digitale Nachrichten empfangen und verschicken lassen. Es dauerte bis zum Ende der Dekade, dann präsentierte RIM sein BlackBerry 850.
Im Jahr 2002 folgte der Nachfolger BlackBerry 5810. Dieses Modell bildete später die Blaupause für Smartphones. Der kleine Taschencomputer verfügte über ein monochromes Display, eine Tastatur und mit ihm konnte mobil telefoniert werden. Da auch die Synchronisation von Mails und Terminen per GPRS-Netz nun reibungslos funktionierte, gehörte das Gerät bald zu den wichtigsten Utensilien in den Chef-Etagen großer Unternehmen.
Man kann sich das kaum vorstellen: Ein Gerät, das E-Mails direkt aufs Handy bringt und das unterwegs, in Echtzeit. Für damalige Verhältnisse war das schlicht revolutionär. Das Zeitalter des Smartphones beginnt nicht 2007 mit dem iPhone, sondern fünf Jahre zuvor, und nicht im Silicon Valley, sondern in Kanada.
Das ikonische Design: Warum die Tastatur Kult wurde
Der Text wird bei den gängigen BlackBerry-Typen über eine für die Bedienung mit beiden Daumen optimierte vollständige QWERTZ-Tastatur eingegeben. Wer einmal auf dieser Tastatur getippt hat, versteht den Hype. Das haptische Feedback, das präzise Klicken, die Möglichkeit, lange E-Mails in kürzester Zeit zu verfassen: Es gab kein Smartphone, das da mithalten konnte.
Die BlackBerries machten süchtig. Die Presse erfand dafür sogar den Begriff „CrackBerry“ in Anlehnung an das Rauschmittel. Das sagt eigentlich alles. Du greifen morgens als erstes zum Gerät, tippst noch im Halbschlaf Antworten auf E-Mails und kannst gar nicht mehr aufhören. Das klingt vertraut, oder? Genau das passierte Millionen von Nutzern weltweit.
BlackBerry auf dem Höhepunkt: Statussymbol und Machtinstrument
In den frühen 2000er-Jahren war ein BlackBerry zu besitzen schlicht ein Statement. Anfang der 2000er Jahre gilt es als Kult, ein BlackBerry zu besitzen, das Statussymbol für Führungskräfte. Wer in einem Meeting saß und das charakteristische Vibrieren seines BlackBerrys ignorierte, gehörte zur oberen Etage. Wer das Gerät sofort zückte, auch.
Im Jahr 2009 hielt BlackBerry noch einen Marktanteil von etwa 20 Prozent und gehörte hinter Nokia zu den Platzhirschen auf dem Kommunikationsmarkt. Zu den Hochzeiten des Unternehmens im Jahr 2011 erwirtschaftete BlackBerry einen Umsatz von knapp 20 Milliarden US-Dollar.
Prominentester User war US-Präsident Barack Obama. Er schätzte das Smartphone auch wegen der sicheren Verschlüsselung der E-Mails. Selbst Angela Merkel wurde regelmäßig mit einem BlackBerry in der Hand gesehen. Wenn Staatsoberhäupter ein Gerät nutzen, weißt du: Das ist kein gewöhnliches Handy.
Wichtige Modelle im Überblick
Die BlackBerry-Geschichte ist auch eine Geschichte großartiger Geräte. Einen detaillierten Überblick über alle wichtigen Modelle findest du bei Teltarif.de. Hier sind die wichtigsten:
Das BlackBerry 850 von 1999 war der Anfang, noch ein reiner Pager. Das BlackBerry 5810 von 2002 kombinierte erstmals Telefon, E-Mail und Kalender und gilt als erstes echtes Smartphone der Marke.
Die Baureihen Bold und Curve wurden zu den beliebtesten Modellen überhaupt. Das BlackBerry Passport kam im Format eines Reisepasses auf den Markt und bot ein quadratisches Display, das bis heute viele Fans hat. Das BlackBerry PRIV war 2015 das erste Modell mit Android-Betriebssystem.
Der Absturz: Wie das iPhone alles veränderte
Jetzt kommt der tragische Teil der Geschichte. Stell dir vor, du bist Marktführer, deine Geräte laufen, deine Kunden lieben dich, und plötzlich betritt jemand die Bühne und dreht die gesamte Branche auf links. Genau das passierte BlackBerry am 9. Januar 2007, als Steve Jobs das iPhone vorstellte.
Das Unternehmen verpasste 2008 die Entwicklung weg von der Tastatur zum Touchscreen. Infolgedessen brachen Anfang 2011 die Handyverkäufe ein und die Firma BlackBerry erlebte in den Folgejahren dramatische Umsatzeinbrüche.
Grund für den Untergang war jedoch weniger die physische Tastatur als die Software. Apps wurden immer wichtiger und BlackBerry OS konnte irgendwann nicht bei der schier unendlichen Auswahl von Android und iOS mithalten.
Das ist die eigentliche Lektion: Nicht die Tastatur hat BlackBerry begraben, sondern das Festhalten an einem eigenen Ökosystem, das immer weniger Entwickler interessierte. WhatsApp? Nicht auf BlackBerry verfügbar. Instagram? Fehlanzeige. Wer keine Apps hat, verliert die Nutzer. Punkt.
Noch 2010 hatte BlackBerry in den USA einen Marktanteil von 43 Prozent. Innerhalb von nur drei Jahren fiel dieser 2013 auf 6 Prozent. Ein freier Fall, wie ihn die Technologiebranche selten erlebt hat.
BlackBerry versucht das Comeback
BlackBerry gab sich nicht kampflos geschlagen. 2013 übernahm John Chen den Vorstandsvorsitz und richtete das Geschäft auf Software und Dienstleistungen aus. In diesem Rahmen trennte sich BlackBerry 2016 von der eigenen Smartphone-Entwicklung und -fertigung und lizenzierte die Geräte nur noch, um Kosten zu sparen.
Bereits 2016 produzierte BlackBerry seine Smartphones nicht mehr selber und lizenzierte die Markenrechte an den chinesischen Hersteller TCL. TCL brachte eine Reihe von Android-Geräten unter dem BlackBerry-Logo auf den Markt, darunter das KEYone und das KEY2, die eine physische Tastatur mit modernem Android kombinierten. Eine Nische, aber immerhin eine mit treuen Fans.
Was macht BlackBerry heute?
Ab 2016 produziert die TCL Corporation in Lizenz BlackBerry-Smartphones. Doch auch diese Partnerschaft endete. Im Februar 2020 gab TCL bekannt, keine weiteren BlackBerry-Geräte mehr zu produzieren. Viele glaubten: Das war das endgültige Ende.
Am 4. Januar 2022 haben die letzten beiden hauseigenen Betriebssysteme OS 7.1 und 10 ihr „End of Life“ erreicht und werden nicht mehr mit Updates versorgt. Wer heute noch ein altes BlackBerry mit dem eigenen Betriebssystem benutzt, hat ein Gerät ohne aktive Sicherheits-Updates.
Das Unternehmen BlackBerry selbst existiert weiterhin, hat sich aber komplett neu erfunden. Heute konzentriert sich BlackBerry auf Sicherheitssoftware, speziell für Fahrzeuge und Unternehmenskommunikation. Das ist zwar weit entfernt vom glänzenden Smartphone in der Jackentasche, aber offenbar ein nachhaltiges Geschäftsmodell.
Interessant: Das Unihertz Titan 2 ist einem legendären BlackBerry-Smartphone nachempfunden, dem BlackBerry Passport. In einer Zeit, in der Smartphones noch deutlich kleiner waren als heute, kam das BlackBerry Passport in der Größe eines Reisepasses auf den Markt. Die Nachfrage nach Tastaturen ist also nie ganz verschwunden.
Der BlackBerry-Film: Eine Legende wird verewigt
Die Geschichte von BlackBerry ist so dramatisch, dass sie verfilmt werden musste. Der Film „BlackBerry“ wurde im Februar 2023 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführt und kam am 7. Dezember 2023 in Deutschland in die Kinos.
Er erzählt den Aufstieg und Fall der Marke aus der Perspektive der Gründer Mike Lazaridis und Jim Balsillie, und das auf humorvolle, erschreckend ehrliche Weise.
Mein Fazit
Das BlackBerry war mehr als ein Gerät. Es war der erste Beweis, dass ein Smartphone nicht nur telefonieren, sondern wirklich arbeiten kann. Es hat den Weg bereitet für alles, was danach kam: das iPhone, Android, die gesamte mobile Arbeitswelt.
Wer heute im Homeoffice sitzt und mal eben eine E-Mail vom Sofa beantwortet, sollte im Hinterkopf behalten: Das ging alles los mit einem kleinen, schwarzen, klickenden Gerät aus dem kanadischen Waterloo. BlackBerry war kein Verlierer.
BlackBerry war der Pionier, der den Preis des Ersten bezahlt hat. Und dafür verdient die Marke bleibenden Respekt.